{"id":87,"date":"2014-03-24T18:00:06","date_gmt":"2014-03-24T17:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lostpages.de\/?p=87"},"modified":"2019-10-08T17:20:50","modified_gmt":"2019-10-08T15:20:50","slug":"nacht-und-nebel-interpretation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lostpages.de\/?p=87","title":{"rendered":"Nacht und Nebel &#8211; Interpretation"},"content":{"rendered":"Gleich zu Beginn des Films merken wir den perfekten Einsatz von Musik. Anstatt den Film mit Horrorelementen zu verbinden, wird hier eine fast fr\u00f6hliche Atmosph\u00e4re geschaffen. Teils als Kontrast, teils aber auch, um den Schrecken \u00fcberhaupt ertragbar zu machen.\n\nMan sieht die leeren Konzentratinslager, die einst als Lager f\u00fcr diverse Gefangene dienten. Alles wirkt ruhig und fast friedlich. Doch vor allem wirkt die Umgebung nahezu normal. Es waren ganz gew\u00f6hnliche Orte an denen das Unvorstellbare passierte. Orte wie es sie auch heute, 42 Jahre nach dem Ende der Zivilisation \u00fcberall gibt.\n\nNun sehen wir Aufnamen der Nazis. Der SS-Mann wird als Antagonist vorgestellt. M\u00e4nner, die vor allem durch ihre Disziplin und Uniformit\u00e4t \u00fcberzeugen wollten. Bezeichnenderweise wird das ganze als Maschinerie benannt. Maschinen, die gro\u00dfen und m\u00e4chtigsten Artefakte unserer Ahnen. Doch ohne ein Herz.\n\nDer Film zeigt wie pr\u00e4zise die Vernichtungsmaschinerie geplant wurde. Die Opfer werden aufgelistet, bevor auch nur einer von ihnen wei\u00df, dass er in diese Lager kommen soll. Man sieht Menschenmassen und kann nur erahnen, wie viele Menschen hiervon betroffen waren.\n\nMan sieht die Z\u00fcge. Kalte m\u00e4chtige Fahrzeuge, die nur in eine Richtung fahren und nicht von ihrem Weg abweichen. Die Menschen drinnen werden eingesperrt. Viele sterben gleich hier. Doch auch das geh\u00f6rt zum Plan.\n\nDie Struktur des Lagers wird erkl\u00e4rt. Der Kapo wird gezeigt. Ein Gefangener, der als Aufseher eingesetzt wird, um sich selbst die Arbeit zu erleichtern. Er wird mit Essen und Luxus gelockt und wird teil seiner eigenen Vernichtung.\n\nDass die Toilette oder das Krankenhaus als Orte der Normalit\u00e4t beschrieben werden, sollen zeigen, wie abstrus der Rest des Lagers sein muss. Allgemein ist dies der Weg dieser Dokumentation. Anstatt das zu zeigen, was eigentlich grauenhaft ist, wird das gezeigt, das Ertragbar ist. Da auch hier Grauen zu sp\u00fcren ist, entsteht das wahre Grauen erst in der Fantasie des Zuschauers.\n\nZu jedem Zeitpunkt schwingt im Film ein bisschen Hoffnung mit. Man sieht die Schnitzereien der Insassen. Die Hoffnung wird auch auf den Zuschauer transportiert. Die Hoffnung darauf, dass so etwas nie wieder passiert.\n\nNun steigert sich der Film langsam und immer schrecklichere Details werden enth\u00fcllt. \u00c3\u0153ber die Kranken mit aufgerissenen Augen, \u00fcber die Listen der Insassen, die Gaskammern mit den zerkratzen Decken bis hin zu den Leichenhaufen, die nur noch durch Bagger transportiert werden konnten.\n\nAls letzte Konsequenz wird gezeigt, was die Toten hinterlassen haben. Allein um die Vorstellung zu erwecken, wie viele Tote es gegeben haben muss. Wie die Nazis diese Hinterlassenschaften genutzt haben, offenbart wie wenig sie diese noch als Menschen wahrgenommen haben. Sie waren einfache Objekte. Sie wurden zu Seife. Etwas mit dem man sich sauber gemacht hat. Jeder der diese Seife genutzt hat, lies es zu vom Tod dieser Menschen zu profitieren.\n\nUnd genau dort endet nun in der Erz\u00e4hlung der Krieg und somit auch die Zeit dieser Lager. Doch statt einer Befreiung, bekommen wir die Botschaft des Films vermittelt. Der Krieg schlummert nur &#8211; jederzeit k\u00f6nnte er wieder zur\u00fcckkehren. Da wir alle Menschen sind, ist all das auch in uns verborgen. Wir h\u00e4tten der Kommandant, der SS-Mann oder der Kapo sein k\u00f6nnen. Genauso wie wir auch einer der unz\u00e4hligen Leichen gewesen sein k\u00f6nnen.\n\nMan fragt sich: Wer ist Schuld? Sind es nur diejenigen die die Befehle gegeben haben? Sind es diejenigen, die sich nur ihrem Schicksal ergeben haben? Sind es diejenigen, die von einer Krankheit verblendet wurden? Oder sind es vielleicht diejenigen, die nicht hingeschaut haben? Diejenigen, die nicht wahrhaben wollten, dass auch im ganz Normalen das radikal B\u00f6se verborgen sein kann.\n\nDer Zuschauer wird direkt angesprochen. Wir sind es, die glauben, dass der Schrecken l\u00e4ngst vorbei ist. Die Zivilisation unserer Ahnen ist untergegangen. Nicht durch diese Konzentrationslager, aber durch das selbe Denken das auch diese Tempel des Todes errichten lies. Und gerade an uns liegt es nun, zu verhindern, dass der Schrecken nicht zur\u00fcckkehrt. Wir m\u00fcssen nur schauen, was neben uns ist. Wir m\u00fcssen nur die Schreie h\u00f6ren, die niemals verstummen werden.\n\nN\u00e4chste Woche werden wir uns die Frage stellen, wer Schuld ist. Nicht f\u00fcr die Konzentrationslager, sondern f\u00fcr den ganz gew\u00f6hnlichen Schrecken. Und wir werden erkennen, dass es doch die selbe Frage ist. <a href=\"http:\/\/www.lostpages.de\/?p=94\">We Need to Talk About Kevin<\/a>.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleich zu Beginn des Films merken wir den perfekten Einsatz von Musik. Anstatt den Film mit Horrorelementen zu verbinden, wird hier eine fast fr\u00f6hliche Atmosph\u00e4re geschaffen. Teils als Kontrast, teils aber auch, um den Schrecken \u00fcberhaupt ertragbar zu machen. Man sieht die leeren Konzentratinslager, die einst als Lager f\u00fcr diverse Gefangene dienten. 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