Die Abenteuer des Robin Hood – Interpretation

Die Geschichte von Robin Hood wurde berühmt als die Geschichte von einem einem Dieb, der von den Reichen stahl und dies den Armen gab. Diese Verfilmung bekräftigte dieses Klichee.

Gleich bei Robin Hoods erstem Auftritt beschützt er einen armen Jäger vor der Gewalt der Herrschenden. Er behauptet, dass er derjenige war, der das Wild tötete. Da er aber im Gegensatz zu Much ein Edelmann ist, trauen sich die Kämpfer nicht, ihre Hand gegen ihn zu erheben.

Direkt danach provoziert Robin den Herrschenden Prince John indem er uneingeladen mit einem Wild in sein Fest platzt und dort die hohen Steuern für die Sachsen kritisiert.

Hier muss man sich fragen: was sind Robins Absichten? Würde er sich für diese Sache ebenso einsetzen, wenn er selbst kein Sachse wäre? Doch diese Szene soll wohl hauptsächlich dazu dienen ihn als frechen und charmanten Rebellen zu charakterisieren, als ihn in Frage zu stellen.

Hier tötet Robin aber den ersten Gegner. Es ist der erste Soldat der aus dem Holztor kommt. Er erschießt ihn mit einem Pfeil. Kombiniert mit dem Auftreten Robin Hoods, wird diese Szene nicht kritisiert. Für die Macher dieses Films war es etwas normales das Beseitigen von Lakeien als notwendig darzustellen. Aber ich frage mich: warum hat dieser Soldat den Tod verdient?

Die Nachfolgenden Toten sind alles Solche, die kurz vorher Unrecht an braven Bürgern verübt haben. Der Film positioniert sich hier eindeutig: Laut ihm ist es Recht, wenn man diejenigen tötet, die Schuld auf sich genommen haben. Dies wird als ein Akt der Gerechtigkeit dargestellt.

Beim Überfall auf die Kutsche werden Robins Motive deutlich. Er erklärt sie Marian. Sie wollen das Gold nicht für sich, sondern für den König. Sie wollen das Geld hier nicht, um es den Armen zu geben, sondern die alte Ordnung wiederherzustellen. Doch Robin zeigt Marian auch die Armen, die sich ebenfalls im Wald verkrochen haben. Dies ist ein starker Kontrast zu dem Fest am Anfang. Doch sie bedanken sich bei Robin. Er hilft ihnen. Das Wohl der Einen wird durch das Elend der Anderen erkauft. Dieses Unrecht will Robin ungeschehen machen. Als Marian dann noch fragt, was er davon hat, sagt er nur, dass sie es immer noch nicht verstanden hat.

Er erklärt hier das Prinzip des Altruismus das Eng mit dem Mythos um Robin Hood verbunden ist. Ein Prinzip das unsere Ahnen bereits kannten, aber das sie immer wieder vergaßen. Erinnert euch daran. Es heißt, eine Welt zu schaffen, in der es den Anderen gut geht. Wenn jeder sich um all seine Mitmenschen kümmert, dann hat jeder viele, die sich um dich sorgen. Dabei verzichtet man darauf, auf sein eigenes Wohl zu Achten. In der Hoffnung dass dieses durch seine Mitmenschen sicher gestellt werden.

Später wird Robin überlistet und gefangen genommen. Er wurde gefasst, da er sich von seinem Stolz und seiner Eitelkeit leiten lässt. Selbstbezogene Prinzipien. Niemand ist frei von ihnen. Trotzdem sind es die selbstlosen Handlungen, die letztendlich die Welt zum guten wenden. Robin befreit sich nicht selbst aus der Gefangenschaft, sondern die Gemeinschaft der einfachen Leute hilft ihm dabei.

Die Liebe zwischen Marian, der Normannin und Robin, dem Sachsen zeigt, dass es egal ist, woher man stammt. Jeder ist zu guten und schlechtem fähig. Und eine Gemeinschaft oder Liebe ist immer möglich. Nichts symbolisiert dies mehr als die Küsse dieser Liebenden.

Als der König zurückkommt und die Feinde besiegt werden, wird Richard Löwenherz als barmherziger Herrscher dargestellt. Er verurteilt seinen Bruder, da er Schuld war am Elend des Volkes. Aber nicht zum Tode, sondern nur zum Exil. John darf leben, aber er muss sein Glück woanders finden. Er hat die Chance es beim nächsten Mal besser zu machen.

Robin und Marian schleichen sich derweil davon. Ihre Liebe ist der Abschluss dieses einfach aufgebauten Filmes, der trotzdem den Zuschauer mitnimmt auf ein Abenteuer und lange in Erinnerung bleiben wird. Die Kussszenen dieses Filmes sind sogar so im Gedächtnis geblieben, dass sie später in einem Film, der das Kino an sich huldigt wieder gezeigt wurden. Um diesen Film soll es nächste Woche gehen. Er heißt: Cinema Paradiso.

Kai Frederic am 21.04.2014 / Interpretationen / 0 Kommentare

We need to talk about Kevin – Interpretation

Der Film beginnt mit einem Vorgriff auf die entscheidende Szene des Films. Man sieht einen weißen wehenden Vorhang. Das Bild wird immer größer und mit ihm wird das Geräusch des Rasensprenglers immer lauter. Es ist die Szene, die Eva nicht mehr loslässt. Das Geräusch wird in zwei weiteren Szenen nochmal aufgegriffen. Einmal als Kevin ihr ganz persönliches Zimmer mit seiner Wasserpistole einfärbt und als er mit dem neuen Bogen trainiert.

Die Anfangsszene wird mit einem weißen Licht überblendet in das Tomatenfest, das sie komplett in rot hüllt. Die Farbe weiß steht wohl für die Unschuld und das Rot symbolisiert das Blut, aber auch die Farbe der Schande. Sie wacht auf und ihr ganzes Haus ist in dieses Rot gehüllt. Ein Rot dass sie auch mit den mächtigsten Werkzeugen nicht mehr weiß bekommt.

Es ist dieser Wunsch, der sie umfasst. Sie will das schreckliche Erlebnis ungeschehen machen, aber sie kann nicht wieder zurück. Niemand kann das. Aber in ihrem Verhalten wird ganz deutlich, dass sie sich daran gewöhnt hat. Sie wird von einer Frau auf der Straße geschlagen, aber sie wehrt sich nicht. Sie sagt sogar, dass sie Schuld ist.

Hier schweifen ihre Gedanken ab: Ist sie eine Rabenmutter? War es falsch dass sie ihn z.B. neben den lauten Baulärm gestellt hat, nur damit sie sein Schreien nicht mehr ertragen musste? Hier wird aber noch etwas ganz anderes deutlich. Sie war sich nie sicher ob sie den Jungen haben will. Viel lieber würde sie reisen, fremde Länder entdecken. In der Nacht in der Kevin gezeugt wird, fragt ihr Mann ob sie sich wirklich sicher ist. Sie antwortet nicht.

Erst jetzt wird gezeigt, dass nicht sie ein Verbrechen begannen hat, sondern ihr Sohn. Vorher war man sich dessen nicht sicher. Dadurch wurde sie nicht automatisch in die Opferrolle gedrängt. Es ist ein Film über ihr Leben und ihre Sicht der Dinge. Dadurch liegen die Sympathien auf ihrer Seite. Dies darf sie aber nicht davor bewahren vom Zuschauer kritisch betrachtet zu werden.

Es scheint den ganzen Film als ob die Tatsache, dass sie einen Sohn bekommen hat, sie in eine tiefe Depression gestürzt hat. Der Vater beginnt den Sohn zu verteidigen, da er ja nichts dafür kann. Dies entwickelt sich aber mit der Zeit so, dass der Vater ihm alles verzeihen kann, während die Mutter immer nur das schlechte in ihm sieht.

Dabei ist es der Vater, der immer unterwegs ist. Er ist nur zwischendurch dort und nutzt die Situationen, um Spaß zu haben. Das sieht man z.B. in der Szene in der er den kleinen Kevin in den Arm nimmt, während seine Frau erschöpft versucht den Jungen schlafen zu lassen. Der Vater ist es, der immer wegguckt. Dadurch schafft er es, dass der Junge ihn völlig anders behandelt als seine Mutter.

Man muss aber immer beachten, dass alles nur ihre Gedanken sind. Es ist nie sicher, dass sich die Situationen genau so abgespielt haben. Vielleicht hat der Junge den Vater anders behandelt, aber er muss nicht im selben Moment die Mutter böse angucken, während er den Vater anlächelt. So etwas tun Kinder nicht.

Trotzdem entwickelt der Junge die Fähigkeit seine Eltern zu beeinflussen. Er bekommt immer das was er will. Dazu nimmt er sogar seine Mutter in Schutz als sie ihn am Arm verletzt. Diese Szene wird von Kevin im Gefängnis als die einzige Situation wahrgenommen in der seine Mutter ehrlich zu ihm war. Diese Aussage sagt sehr viel über das Verhältnis der beiden zueinander aus. Er denkt sie würde ihn hassen. Sie dagegen scheint immer sehr bemüht die eigene Depression nicht auf den Jungen zu übertragen. Letztendlich scheint es aber so, dass die beiden nie wirklich darüber geredet haben.

Es ist dieses Nicht-Reden das die ganze Beziehung in der Familie auszeichnet. Der Vater ist dafür da Wünsche zu erfüllen und zu spielen. Die Mutter wünscht sich das selbe und schweigt deshalb lieber anstatt zu kritisieren. Doch genau deshalb wird sie immer wieder wütend. Es sind die Worte die sich aufstauen und dann nur in Zorn zum Vorschein kommen.

Kevin ist seiner Mutter Eva sehr ähnlich. Beide scheinen Außenseiter zu sein, die keine Freunde haben. Beide haben tiefgreifende Wünsche, die sich nicht erfüllen. Aber keiner von beiden tut wirklich etwas dagegen. Man erfährt nichts über die Absichten des Jungen. Er sagt nur einmal, dass der Grund für sein Handeln der folgende ist: Es gibt keinen Grund. Er will nicht berechenbar sein. Er will einzigartig sein.

Nur in einer Szene kommen sich Mutter und Sohn näher. Sie liest ihm aus dem Buch „Robin Hood“ vor als er krank ist. Es ist ein Moment der Verletztlichkeit. Ein Moment in der der Sohn sich entscheidet das Angebot der Mutter anzunehmen. Doch letztendlich rächt er sich wieder bei ihr, indem er genau das zentrale Motiv, das Bogenschießen, benutzt, um seine Mutter auf ewig zu zeichnen.

Am Ende sagt er, er wusste einmal, warum er so handelt, aber nun ist er sich nicht mehr so sicher. Hier wird deutlich, dass er doch kein Monster ist. Er wirkt schwach und unsicher. Nicht so wie es vorher immer der Fall war. Er wollte dass seine Mutter Schmerzen erleidet, aber hier scheint er zu merken, dass ihm das nicht die nötige Befriedigung verschafft hat. Es waren ganz andere Probleme, die gar nicht zur Sprache kommen, die ihn zu dem machten, der er wurde.

Ich sehe den Film als ein Plädoyer miteinander über seine Probleme zu reden. Aufeinander zuzugehen und sich nicht durch Gewalt oder Ignoranz voneinander abzuwenden. Hier trifft auch der Titel dieses Motiv: We need to talk – wir müssen reden. Der Film verweigert sich dem Urteil, ob Kevin nun ein radikal böses Kind ist oder ob Eva eine Rabenmutter ist. Er bietet nur viel Diskussionsstoff.

Nächste Woche schauen wir uns an, was Kevin wohl so sehr am Bogenschießen fasziniert haben könnte indem wir seine Lieblingsgeschichte analysieren: Die Abenteuer des Robin Hood.

Kai Frederic am 31.03.2014 / Interpretationen / 0 Kommentare

Nacht und Nebel – Interpretation

Gleich zu Beginn des Films merken wir den perfekten Einsatz von Musik. Anstatt den Film mit Horrorelementen zu verbinden, wird hier eine fast fröhliche Atmosphäre geschaffen. Teils als Kontrast, teils aber auch, um den Schrecken überhaupt ertragbar zu machen.

Man sieht die leeren Konzentratinslager, die einst als Lager für diverse Gefangene dienten. Alles wirkt ruhig und fast friedlich. Doch vor allem wirkt die Umgebung nahezu normal. Es waren ganz gewöhnliche Orte an denen das Unvorstellbare passierte. Orte wie es sie auch heute, 42 Jahre nach dem Ende der Zivilisation überall gibt.

Nun sehen wir Aufnamen der Nazis. Der SS-Mann wird als Antagonist vorgestellt. Männer, die vor allem durch ihre Disziplin und Uniformität überzeugen wollten. Bezeichnenderweise wird das ganze als Maschinerie benannt. Maschinen, die großen und mächtigsten Artefakte unserer Ahnen. Doch ohne ein Herz.

Der Film zeigt wie präzise die Vernichtungsmaschinerie geplant wurde. Die Opfer werden aufgelistet, bevor auch nur einer von ihnen weiß, dass er in diese Lager kommen soll. Man sieht Menschenmassen und kann nur erahnen, wie viele Menschen hiervon betroffen waren.

Man sieht die Züge. Kalte mächtige Fahrzeuge, die nur in eine Richtung fahren und nicht von ihrem Weg abweichen. Die Menschen drinnen werden eingesperrt. Viele sterben gleich hier. Doch auch das gehört zum Plan.

Die Struktur des Lagers wird erklärt. Der Kapo wird gezeigt. Ein Gefangener, der als Aufseher eingesetzt wird, um sich selbst die Arbeit zu erleichtern. Er wird mit Essen und Luxus gelockt und wird teil seiner eigenen Vernichtung.

Dass die Toilette oder das Krankenhaus als Orte der Normalität beschrieben werden, sollen zeigen, wie abstrus der Rest des Lagers sein muss. Allgemein ist dies der Weg dieser Dokumentation. Anstatt das zu zeigen, was eigentlich grauenhaft ist, wird das gezeigt, das Ertragbar ist. Da auch hier Grauen zu spüren ist, entsteht das wahre Grauen erst in der Fantasie des Zuschauers.

Zu jedem Zeitpunkt schwingt im Film ein bisschen Hoffnung mit. Man sieht die Schnitzereien der Insassen. Die Hoffnung wird auch auf den Zuschauer transportiert. Die Hoffnung darauf, dass so etwas nie wieder passiert.

Nun steigert sich der Film langsam und immer schrecklichere Details werden enthüllt. Ãœber die Kranken mit aufgerissenen Augen, über die Listen der Insassen, die Gaskammern mit den zerkratzen Decken bis hin zu den Leichenhaufen, die nur noch durch Bagger transportiert werden konnten.

Als letzte Konsequenz wird gezeigt, was die Toten hinterlassen haben. Allein um die Vorstellung zu erwecken, wie viele Tote es gegeben haben muss. Wie die Nazis diese Hinterlassenschaften genutzt haben, offenbart wie wenig sie diese noch als Menschen wahrgenommen haben. Sie waren einfache Objekte. Sie wurden zu Seife. Etwas mit dem man sich sauber gemacht hat. Jeder der diese Seife genutzt hat, lies es zu vom Tod dieser Menschen zu profitieren.

Und genau dort endet nun in der Erzählung der Krieg und somit auch die Zeit dieser Lager. Doch statt einer Befreiung, bekommen wir die Botschaft des Films vermittelt. Der Krieg schlummert nur – jederzeit könnte er wieder zurückkehren. Da wir alle Menschen sind, ist all das auch in uns verborgen. Wir hätten der Kommandant, der SS-Mann oder der Kapo sein können. Genauso wie wir auch einer der unzähligen Leichen gewesen sein können.

Man fragt sich: Wer ist Schuld? Sind es nur diejenigen die die Befehle gegeben haben? Sind es diejenigen, die sich nur ihrem Schicksal ergeben haben? Sind es diejenigen, die von einer Krankheit verblendet wurden? Oder sind es vielleicht diejenigen, die nicht hingeschaut haben? Diejenigen, die nicht wahrhaben wollten, dass auch im ganz Normalen das radikal Böse verborgen sein kann.

Der Zuschauer wird direkt angesprochen. Wir sind es, die glauben, dass der Schrecken längst vorbei ist. Die Zivilisation unserer Ahnen ist untergegangen. Nicht durch diese Konzentrationslager, aber durch das selbe Denken das auch diese Tempel des Todes errichten lies. Und gerade an uns liegt es nun, zu verhindern, dass der Schrecken nicht zurückkehrt. Wir müssen nur schauen, was neben uns ist. Wir müssen nur die Schreie hören, die niemals verstummen werden.

Nächste Woche werden wir uns die Frage stellen, wer Schuld ist. Nicht für die Konzentrationslager, sondern für den ganz gewöhnlichen Schrecken. Und wir werden erkennen, dass es doch die selbe Frage ist. We Need to Talk About Kevin.

Kai Frederic am 24.03.2014 / Interpretationen / 0 Kommentare

Der Name der Leute – Interpretation

Der Film spielt damit, dass Arthurs Leben, dem von Bahia gegenüber gestellt wird. Das eine ist kalt und technisch, das andere bunt und kreativ. Die Erklärung für ihr Leben ist in den Geschichten ihrer Eltern versteckt.

Bahias Mutter wollte immer nur die Welt retten und möglichst ungewöhnlich sein, während ihr algerischer Vater sein Leben in Arbeit ertränkt und nur selten Zeit für die Kunst findet, die er aus Schamgefühl niemanden zeigen will.

Arthurs Mutter war dagegen wurde zur Zeit der Nazis versteckt und bekam einen neuen Namen. Deshalb hält ihn auch jeder für einen gewöhnlichen Franzosen. Sein Vater lernte sie bei der Mathematik kennen und kümmerte sich später um die Sicherheit in einem Atomkraftwerk.

Während in Bahias Familie gerne viele Leute eingeladen werden und viel geredet wird, ist Arthurs Familie sehr zurückgezogen. Er weiß weder was sein Vater im Algerienkrieg gemacht hat, noch was seine Großeltern für Menschen waren. Er kennt nur ihre Herkunft als Juden.

Doch trotz der Unterschiede gibt es in beiden Familien das Phänomenen, dass über die Probleme nicht geredet wird. Weder über die Vergewaltigung von Bahia durch ihren Musiklehrer, noch die jüdische Vergangenheit von Arthurs Großeltern. Hieraus ergeben sich zahlreiche Probleme. Der Film möchte dafür werben, dass man auch über seine Probleme redet.

Immer wieder im Film sieht man die Charaktere mit ihren früheren Ichs reden oder wie sie getröstet werden. Eine witzige Möglichkeit um die Bewältigung der eigenen Vergangenheit darzustellen.

Bahia hält Arthur anfangs genau für die Art von Mann, die sie mit Sex politisch umdrehen will. Ein Faschist. Sie erkennt aber auch schnell, dass er wohl doch nicht so ist, wie sie es vermutet hat. Daher kommen sie erst nach eine zufälligen zweiten Begegnung zusammen, als Bahia einem alten Päärchen in den Zug helfen will, als vor ihm die Türen zufallen. Arthur hätte sie einfach draußen gelassen. Er kümmert sich nicht sehr um andere, ist aber von ihrer offenen Art begeistert.

Arthur hat Angst Bahia seinen Eltern vorzustellen. Er will weiterhin mit ihnen so umgehen wie bisher und Themen, die sie ansprechen würde einfach tot schweigen. Bei einem gemeinsamen Essen mit beiden Eltern kommt es unweigerlich zum Streit, der nur dadurch gelöst werden kann, indem die Väter zusammen ein Artefakt reparieren, das Artur deshalb vorher kaputt gemacht hat.

Arthurs Mutter leidet unter ihrer Herkunft, als sie neue Papiere beantragt wird sie mit allen Problemen konfrontiert, die sie einfach nur verdrängen wollte. Letztendlich wird dies besonders in der Szene deutlich in der sie bereits im Krankenhaus liegt und Arthur nicht weiß, wie er mit ihr reden soll. Als er endlich auf die Vergangenheit zu sprechen kommt und sie mit ihm darüber reden will, werden sie unterbrochen. Kurz darauf bringt sie sich um. Er dichtet ihre Geschichte im Kopf so weiter, dass sie in einer positiven Erinnerung endet. Er will sich nicht an das Negative erinnern.

Durch diese Probleme ist er auch so beschäftigt, dass er Bahia nicht genau zuhören kann, als sie von ihrer Vergangenheit erzählen will. Eine negative Situation ergibt eine nächste und letztendlich führt es dazu, dass Arthur mit ihr Schluss macht als sie gerade erkannt hat, dass sie ihn liebt.

Sie trifft sich nun wieder mit einem Fascho, während er versucht mit normalen Frauen auszugehen und das Prinzip Sicherheit wie sein Vater über alles stellt. Doch sie beginnt nun auch zu dem Fascho eine Beziehung aufzubauen und passt sich ihm an, während er von den normalen Frauen gelangweilt ist. Erst ein Treffen der beiden ändert die Situation wieder.

Sie behauptet zwar endlich glücklich mit ihrer Herkunft zu sein, veröffentlicht aber kurz danach ein Buch darüber wie man Faschos umdreht. Er lässt das alte Ehepaar den Zug verpassen und geht in einen der schrecklichsten Orte unserer Ahnen: eine Farm für Hühner. Nun verzichtet er auf das Prinzip Sicherheit, da er erkennt, dass es so ein glückliches Leben geben kann.

Sie kommen wieder zusammen und bekommen ein Kind. Dieses Kind bekommt den Namen Tchang Martin-Benmahmoud. Ein Name unter dem sich niemand etwas vorstellen kann. Für wen mag dieses Kind wohl ein Fremder sein? Möglicherweise für jeden. Doch der Film will uns sagen, wenn wir uns alle Fremd sind, dann hat auch niemand mehr Vorurteile, da er niemanden mehr nach seiner Herkunft beurteilen kann.

Es geht in dem Film viel um Identität. Wir haben schon erkannt, dass man seine Vergangenheit nicht vergessen soll, aber man sollte seine Vergangenheit auch nicht überschätzen. Wir leben immer noch in der Gegenwart und unsere Entscheidungen für die Zukunft sollten frei sein von Vorurteilen. Jeder Mensch ist die Summe seiner Erfahrungen und die seiner Vorfahren. Und eben darum ist jeder Mensch auch einzigartig, selbst wenn sein Name so gewöhnlich ist, wie Arthur Martin.

Nächste Woche bleiben wir in der Vergangenheit und schauen uns an, was die Nazis getan haben. Wir stellen uns die Frage nach der Schuld in der Dokumentation „Nacht und Nebel“.

Kai Frederic am 17.03.2014 / Interpretationen / 0 Kommentare

Chihiros Reise ins Zauberland – Interpretation

Chihiro hat den Weg aus dem Zauberland zurückgefunden. Der Film hat dabei viele Punkte, die man interpretieren kann, so dass es unmöglich ist auf alles einzugehen.

Der Film beginnt auf der Straße. Chihiro ist unzufrieden und möchte nicht umziehen. Sie will nicht, dass sie gezwungen wird, ihr Leben zu ändern. Doch ihre Eltern sind guter Dinge.

Als sie zum Torbogen kommen, sind die Eltern die Neugierigen, während Chihiro Angst vor der Situation hat. Die Eltern überkommt die Gier nach dem guten Essen, wofür sie in Schweine verwandelt werden. Chihiro kennt diese Gier nicht.

Da sie nun aber auf sich selbst gestellt ist, in einer Welt die sie nicht versteht, muss sie jemandem vertrauen. Dies ist Haku. Er könnte ein Lügner sein und sie in eine Falle locken, aber sie traut ihm. Hätte sie es nicht getan, so wäre sie vermutlich verloren. Möglicherweise traut sie ihm, weil sie ihn bereits kannte.

Auf Grund von Hakus Anweisungen schafft sie es zur Hexe, wo sie ein magisches Papier unterzeichnet. Unsere Ahnen nannten diese Papiere Verträge. Ein Vertrag bindet beide Seiten an Bedingungen. Falls eine Seite die Bedingungen nicht erfüllt, wird sie verflucht. Chihiro liest sich den Vertrag nicht wirklich durch, weil sie weiß, dass sie keine andere Wahl hat. Die Hexe raubt ihr ihren Namen.

Unser Name wird uns gegeben und bleibt bei uns. Unsere Ahnen haben dem Namen eine große Kraft zugeschrieben. Ändert sich der Name, beginnen wir ein neues Leben. Früher als unsere Ahnen noch keine Namen hatten, war nichts fest. Es war nicht möglich über etwas zu reden, wenn es keinen Namen hat. Dadurch, dass etwas einen Namen bekommt, erlangen wir die Macht, unserer Wissen darüber zu teilen. Ein Mensch mit einem Namen kann einen Ruf bekommen.

Nur durch Haku schafft sie es, dem Zauber zu widerstehen. Sie vergisst ihren Namen nicht und erinnert sich damit, woher sie kam, wer ihre Eltern waren und warum sie hier ist. Ansonsten würde sie einfach Teil dieser Zauberwelt werden und wäre nichts anderes mehr als eine Arbeiterin, die das Badehaus sauber hält. Ohne Namen, ohne Geschichte, ohne Wünsche.

Nun tritt Ohngesicht in die Handlung. Chihiro behandelt ihn freundlich und lässt ihn einfach ins Badehaus ohne zu wissen, wer er ist. Dafür hilft Ohngesicht ihr beim Fäulnisgott, der sich später als Flussgott herausstellt.

Auch hier kann Chihiro durch ihre freundliche Art als einzige helfen. Nur sie erkennt, dass der Fäulnisgott ein Problem hat, das durch unsere Ahnen verursacht wurde. Unsere Ahnen dachten, dass alles auf der Welt eine Seele hat. Jeder Fluss ist zugleich ein Gott. Wenn nun jemand Schrott in den Fluss wirft, verändert er das Wesen des Flusses und sein Gott wird zur Fäulnis. Der Film will diejenigen die den Zusammenhang vergessen haben, daran erinnern. Die Welt konnte er damit leider trotzdem nicht retten.

Ohngesicht fängt in der Nacht an, die Leute mit schönen Steinen zu locken. Alle verfallen der Gier, wodurch sie letztendlich gefressen werden. Gier verändert den Menschen. Er bekommt nur noch Augen für die obskuren Objekte der Begierde und vergisst sich dabei selbst.

Chihiro ist die einzige die Nein sagt. Sie braucht nicht immer mehr, sondern sie will einfach nur ihre Eltern retten.

Als sie den verletzten Drachen sieht, kann sie die Seele des Drachen erkennen und sieht, dass es Haku ist. Das erkennt man auch an der Melodie. Der Name ist hier wichtiger als die Gestalt. Die Hexe Yubaba dagegen erkennt später ihr geliebtes Baby nicht, als dieses in anderer Gestalt vor ihr steht, was Chihiro überrascht. Kennt sie die Seele ihres eigenen Kindes nicht?

Um Haku zu retten, benutzt Chihiro den Kräuterklos, den sie eigentlich braucht, um ihre Eltern zu retten. Trotz aller Zweifel, will sie sein Leben retten. Den anderen Teil benutzt sie um die alles verschlingende Gier in Gestalt von Ohngesicht zu heilen. Hierdurch wird er wieder friedlich. Hier beweist sie Selbstlosigkeit, da sie ihre eigenen Ziele zurückstellt.

Mit der seltsamen Truppe aus Ohngesicht, dem Baby und dem Vogel beschließt sie zu der Zwillingshexe Zeniba zu fahren. Der Zug den sie hier benutzen sieht dem aus Sunrise sehr ähnlich. Er ist voll von alten Seelen, die einfach ihren Weg gehen ohne nach rechts und links zu schauen. Im Gegensatz zu Chihiro.

Die letzten Rätsel kann sie lösen, indem sie die Seelen ihrer Eltern und ihre gemeinsame Vergangenheit mit Haku erkennt. Haku war der Fluss, in den sie als Kind gefallen ist. Es ist ihre Vergangenheit und ihre Identität, die sie rettet. Sie wird in gewisser Weise dadurch erwachsen, dass sie den Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schätzen lernt.

Niemand kann sich weiterentwickeln, wenn er nicht die eigene Herkunft erkennt. Auch wir werden in dieser neuen Welt nicht bestehen können, wenn wir uns nicht klar machen, welche Fehler unsere Ahnen gemacht haben, so dass es zu der Weltenwende kam. Man kann keine neuen Wege gehen, wenn wir die alten nicht erkennen.

Letztendlich geht es im Film um Namen und Identität. Er will uns sagen: Vergiss nicht wer du bist und wie du hierhergekommen bist. Nächste Woche soll weiter um dieses Thema Namen gehen im Film „Der Name der Leute„.

Kai Frederic am 10.03.2014 / Interpretationen / 0 Kommentare

Sunrise – Interpretation

Habt ihr am Anfang des Films gesehen, wie sich die Bilder überlagerten? Wunderschön, nicht wahr? Vor allem am Anfang gab es viele Bilder, wie es sie danach nie wieder geben sollte. Es wurde viel mit Licht und Schatten gespielt. Licht und Tag ist rein und voller Glück, Schatten und Nacht voll von Zweifel und Verrat.

Die Figuren der Geschichte sind hin und hergerissen zwischen ihren Gefühlen. Der Mann ist nervös, da er nicht will, dass sein Frau die Affäre bemerkt. Diese aber ist traurig, da sie merkt, dass etwas nicht stimmt. Als die Frau aus der Stadt ihn überreden will, wehrt er sich zunächst, verfällt dann aber doch Leidenschaft. Doch er bleibt sich unsicher, ob er das Richtige tut. Er kann nicht schlafen, führt aber doch alle Vorbereitungen durch. Auf dem Boot verfinstert sich sein Gemüt und die Frau, die sich erst auf die Stadt gefreut hat, wird wieder unsicher.

Hier sehen wir das Wesentliche in Allem was wir tun: Wir müssen Entscheidungen treffen. Möchte ich das behalten, was ich habe oder möchte ich vielleicht mehr? Soll man das schöne Leben aufgeben, um ein anderes Leben anzufangen? Soll ich töten, um zu bekommen was ich will? Die meisten Entscheidungen, die wir treffen sind sehr viel kleiner, aber doch bestimmen sie unser Handeln. Wenn eine Geschichte erzählt wird, tauchen wir tief ein in diesen inneren Konflikt. Wir stehllen uns selbst die Frage: Wie würde ich handeln?

Er entscheidet sich dafür sie nicht zu töten. Doch ihr Vertrauen in ihn ist zerstört. Mit einem sonderbaren Schienenfahrzeug fahren sie in die Stadt. Doch sie will nicht mehr glücklich sein. Kein Geschenk kann die Trauer überdecken. Erst als sie in eine Kirche gehen, kommen sie wieder zueinander.

Ich habe bemerkt, dass diese Szene einige von euch nicht verstanden haben, deshalb erkläre ich sie genauer. Eine Kirche war früher ein Ort der Rituale. Hier wurden Zeremonien abgehalten zur Geburt, zum Tod oder zu jährlichen Festen, wie der Wintersonnenwende. Eine Zeremonie fand statt, wenn ein Mann und eine Frau sich einander die ewige Treue schwören. Das war es was ihr in dem Film gesehen habt. Der Mann weint, weil er erinnert wird dass er geschworen hat, sie vor jedem Unheil zu beschützen, diese Aufgabe aber nicht erfüllt hat. Sie sieht, dass er erkannt hat, dass sie nur zusammen bestehen können und tröstet ihn.

Nachdem sie wieder zusammengefunden haben, haben sie nur noch Augen für sich selbst, so dass sie die Stadt um sich herum gar nicht mehr bemerken. Erst die Automobile wecken sie aus ihrem Traum. Diese Szene ist deshalb so stark, weil hier Toneffekte benutzt wurden. Im selben Jahr wie dieser Film kam der erste Filme heraus, indem die Leute geredet und gesungen haben. Es war die selbe Technologie wie hier, nur dass Murnau kein Interesse daran hatte, seine Figuren laut reden zu lassen.

Im Folgenden haben die beiden Spaß und tuen ein paar Dinge, die auch ich nicht ganz verstehe. Die Spiele unserer Ahnen waren nicht immer logisch. Aber da ihr lachen konntet, haben die Szenen ihren Zweck erfüllt.

Am Ende wird es nocheinmal dramatisch. Man denkt, dass die Frau nun doch gestorben ist. Doch sie rettet sich durch das Reisigbündel, das nur an Bord war, weil der Mann sich nach dem Mord selbst retten wollte. Hier kann man sehen, dass das Schlechte auch manchmal zu etwas Gutem führen kann.

Nur durch die Reise in die Stadt, hat der Mann erkannt, dass die Frau aus der Stadt nicht das ist, nach dem er sich sehnt. Er lehnt sie ab, obwohl er denkt, seine Frau wäre tot. Doch dann finden die beiden wieder zusammen und die Sonne geht auf.

Der Film will uns erzählen, dass Entscheidungen nicht immer einfach sind. Oftmals führen gerade die falschen Dinge zu dem richtigen Ergebnis (der Besuch in der sündigen Stadt, das Reisigbündel). Das soll nicht heißen, dass unsere Handlungen egal sind, sondern vielmehr, dass wir unsere Entscheidungen nur aus dem Bauch heraus treffen können. Der Mann bekommt seine Frau zurück, weil er den Versuchungen entsagt.

Der ganze Film ist wie ein Sonnenaufgang. Auch als Zuschauer geht man durch die tiefste Nacht, nur um am Ende wieder das Licht zu sehen. Es ist ein Prozess der Erkenntnis, den der Mann durchmachen muss, um wieder zu seiner Frau zu finden. Die Erkenntnis, dass die beiden zusammengehören, auch wenn das Leben gerade einmal nicht süss, sondern bitter ist.

Und genau so stell ich mir diese Reihe vor. Ihr erkennt Zusammenhänge und öffnet eure Augen. Ich hoffe diese Interpretation hat ein wenig Licht in euer Leben gebracht. In einer Woche werden wir auf eine andere Reise gehen und der Frage nachgehen, wie Entscheidungen getroffen werden im Film Chihiros Reise ins Zauberland.

Kai Frederic am 03.03.2014 / Interpretationen / 0 Kommentare